Das Zi hat Frühindikatoren entwickelt, die frühzeitig auf die Gefahr für die Überlastung des Gesundheitswesens durch COVID-19 hinweisen sollen. Nachfolgend wird unsere tägliche Lageeinschätzung im Hinblick auf diese Indikatoren dargestellt. Nähere Informationen finden Sie hier.
Stand: 21.10.2020 18.58 Uhr
Legende:
Reproduktionszahl R: Anzahl der Personen, die eine infizierte Person durchschnittlich mit COVID-19 infiziert.
Neue Fälle je 100.000 Einwohnende in 7 Tagen: Auch als “7-Tage-Inzidenz” oder “Handlungsgrenze” bezeichnet.
Vorwarnzeit bei R=1,3: Anzahl von Tagen bis zur Überschreitung von 25% der stationären Behandlungskapazitäten (Annahme 25% der Kapazität steht für COVID-19 zur Verfügung) ab heute, falls R=1,3 ab dem 21.10.2020. Wir berücksichtigen die aktuelle Alterstruktur der Infizierten und unterschiedliche Raten der Intensivfälle: 1,91% für Unter-60-Jährige, 9,1% für 60-bis-79-Jährige, sowie 14,5% für Über-80-Jährige. Die “effektive Vorwarnzeit” ist die Vorwarnzeit abzüglich der angenommenen Reaktionszeit von 21 Tagen, bis ergriffene neue Maßnahmen wirken.
Dargestellt ist die theoretische Vorwarnzeit bis zur Überschreitung der Kapazität an Intensivbetten abhängig von der Reproduktionszahl R, ausgehend von der durchschnittlichen aktuellen Zahl an Neuinfektionen in Deutschland. Die Neuinfektionen wurden über einen Zeitraum von 7 Tagen gemittelt, um Schwankungen auszugleichen. Die effektive Vorwarnzeit ist geringer als die theoretische Vorwarnzeit. Hier wird eine Reaktionszeit von 21 Tagen angenommen, bis ein R-Wert erkannt und Maßnahmen wirksam implementiert sind.
Dargestellt ist die Entwicklung der Anzahl von akut infizierten Personen in Deutschland. Angenommen wird, dass die Personen i.d.R. 15 Tage nach der gemeldeten Erkrankung nicht mehr akut infiziert sind. Die Zahl hatte am 6.4.2020 ihren bisherigen Höhepunkt von ca. 74 Tsd. Personen.
Dargestellt ist die Entwicklung des Anteils von neu gemeldeten akut infizierten Personen im Alter ab 60 Jahren an allen gemeldeten Fällen in Deutschland. Zudem wird das Verhältnis von Todesfällen an den gemeldeten Fällen dargestellt, sowie das Verhältnis der auf der Intensivstation behandelten Fälle (ITS) an den zum entsprechenden Zeitpunkt akut Infizierten. Während alle Werte zu Beginn der Pandemie gleichlautend verlaufen sind (Daten für ITS-Fälle ab Ende April), hat sich die Entwicklung zuletzt entkoppelt. Die Zahl der Todesfälle ist für die letzten Wochen noch nicht aussagekräftig, da ein Todesfall meist nach schwerem und langem Krankheitsverlauf eintritt.
Dargestellt ist die Entwicklung der Reproduktionszahl R auf Ebene der Bundesländer. Der Wert für den Bund ist blau dargestellt. R beschreibt die mittlere Anzahl von Neu-Infektionen, die von einer Person im Laufe ihrer COVID-19-Infektion angesteckt werden. R wird aus den Meldedaten des RKI geschätzt.
Dargestellt ist die Entwicklung der Zi-Vorwarnzeit für die BRD, ebenso zum Vergleich die Entwicklung des (7-Tage-)R-Wertes, wie er vom RKI gemeldet wird.
Methodischer Hinweis zum R-Wert:
In die Berechnung des R-Wertes gehen verschiedene Annahmen ein, da der Wert aufgrund unvollständiger Informationen zu Infektionsketten in der Regel geschätzt werden muss. Die Methodik des Zi und des RKI unterscheiden sich dabei in zwei zentralen Punkten. Das RKI betrachtet die neuen Erkrankten nach Erkrankungsdatum im Vergleich von zwei 4-Tages-Perioden und nimmt dadurch eine 4-tägige-Ansteckungsperiode an. Dabei müssen für etwa ein Drittel der Infizierten das Erkrankungsdatum geschätzt und Nachmeldungen durch das sog. Nowcasting interpoliert werden. Das Zi verwendet das Meldedatum als Infektionsbeginn und berücksichtigt eine längere Infektionsperiode, in der die meisten Ereignisse am 4. Tag auftreten, Ansteckungen aber auch später auftreten können (Gamma-Verteilung mit MW=4, SD=5). Beide Ansätze haben Vor- und Nachteile und zeigen langfristig die gleiche Tendenz an. Sowohl das Zi als auch das RKI schließen bei der Berechnung der R-Werte die Fallzahlen der letzten 4 Tage aus, da diese noch zu unverlässlich wegen Meldeverzügen sind.